Bitte Smartphone drehen ... !

Der stoinerne Mo – Legende und Wahrheit eines Wahrzeichens

  Der stoinerne Mo – Legende und Wahrheit eines Wahrzeichens
Er ist berühmt. Knallhart. Ziel zahlloser Fans. Und ein echter Held. Dabei steht der stoinerne Mo einfach nur rum.



annett klingner

Wer durch die Karmelitengasse, durch den Torbogen der Stadtmauer und noch zwanzig Meter nach links geht, findet ihn in einer Mauernische. Das Standbild zeigt einen Mann mittleren Alters. Er ist kräftig gebaut, mit einem Harnisch bekleidet und trägt eine Schlauchmütze schief auf dem linken Ohr.

Die Legende besagt, dass diese Skulptur zur Erinnerung an einen mutigen Augsburger Bäcker geschaffen wurde. Im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts lebten sowohl Katholiken als auch Protestanten in der Stadt. Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) verschärften sich die Fronten: Im Jahr 1629 versuchten zunächst die Katholiken, die Vorherrschaft zu erlangen. 1632 wurde Augsburg jedoch von schwedischen protestantischen Truppen eingenommen. Kaiserlich-katholische Gegner belagerten die Stadt daraufhin und verhinderten deren Versorgung.

Die Einwohner litten schlimmen Hunger. Der Bäcker Konrad Hacker buk Brot aus Kleie und Sägemehl, kletterte auf die Stadtmauer, machte sich durch einen Schuss in die Luft bemerkbar und warf dann die Brote auf die andere Seite – als gäbe es in der Stadt noch so viel zu essen, dass man sich leisten könne, das Gebäck wegzuwerfen. Die wütenden Belagerer schossen auf Hacker, zerfetzten dabei seinen rechten Arm. Noch am selben Tag starb er und erlebte nicht mehr, dass seine Taktik Erfolg zeigte: Die kaiserlichen Truppen verloren den Glauben daran, die Augsburger aushungern zu können und zogen sich zurück. Als Erinnerung an den mutigen Retter sammelten die dankbaren Einwohner Geld für eine Skulptur, die 1642 aufgestellt wurde und den einarmigen Mann in Bäckerkleidung mit einem Brot in der linken Hand zeigt.

Eine schöne Sage, wenn auch eine erfundene. Wie bei den meisten Legenden schwingt dennoch ein Fünkchen Wahrheit mit: Tatsächlich herrschte während der Belagerung Augsburgs im Dreißigjährigen Krieg eine große Hungersnot. Und es gab auch wirklich einen protestantischen Bäcker, der Konrad Hacker hieß und zur fraglichen Zeit starb. (Das Steuerbuch der Stadt führt 1635 seine Witwe Felicitas auf). Selbst die Belagerung endete abrupt. Aber nur, weil die Stadt nach mehreren schweren Niederlagen im März 1635 kapitulierte und sich den kaiserlichen Truppen ergab.

Die 1,13 Meter große Kalkstein-Skulptur wurde auch nicht als Denkmal angefertigt. Sie besteht aus mehreren Teilen, die ursprünglich überhaupt nicht zusammengehörten. Ihr fehlen beide Original-Füße und Unterschenkel , der unförmige linke Arm ist nicht optimal angebracht und auch die Hand passt nicht wirklich zum Arm. Sie hält den Gegenstand (das angebliche Brot) zudem in einer anatomisch unmöglichen Stellung. Und: der stoinerne Mo ist viel zu alt, um eine Person aus dem Dreißigjährigen Krieg zeigen zu können. Jedes Einzelteil wurde nach Expertenmeinung vor 1550 gefertigt. Der Torso könnte vom früheren Friedhof Lueginsland stammen, welcher 1703 von den Franzosen zerstört wurde. Der schneckenförmige Sockel dürfte wiederum zu einer römischen Tritonenfigur gehört haben. Aber wie haben diese unterschiedlichen Teile zusammengefunden?

Das Haus Unterer Graben 12 an der Mündung des Pulvergässchens wurde bis zum Jahr 1820 vom städtischen Bauwart bewohnt. Wann immer man in Augsburg bei Erdarbeiten Reste irgendwelcher Skulpturen ausgrub, wurden sie dort abgegeben. Einer dieser Bauwarte fügte sie Skulptur in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Fundstücken zusammen und stellte sie vor seinem Haus auf. Doch der stoinerne Mo wurde immer wieder umgeworfen, beschädigt und ausgebessert. Von der Heftigkeit dieser Attacken zeugen nicht nur die zahllosen Kratzer, Abschürfungen und Steinflicken, sondern auch die wulstige Nase des Wahrzeichens. Nachdem das Original abgeschlagen worden war, ersetzte man sie im Jahr 1812 durch eine metallene Kopie.

1950 wurde die ramponierte Skulptur restauriert und fünf Jahre später an ihrem heutigen Platz aufgestellt. Doch obwohl er dort viel Besuch von Touristen, Einwohnern und Schulklassen bekommt, schaut er noch immer ziemlich verbissen drein.

So kommen Sie zum Steinernen Mann:

Bus 35 bis Henisiusstraße (Von der Müllerstraße die Schwedenstiege (eine Freitreppe) hinaufgehen, oben nach rechts abbiegen und ca. 100 Meter an der äußeren Stadtmauer entlanggehen). Oder Tram 2 bis Mozarthaus. (Durch die Karmelitengasse bis zur Stadtmauer und nach der Durchquerung des Torbogens 20 Meter nach links gehen)

erschienen in: Kulturportal der Stadt Augsburg 2016

Literatur:

Lampart, Eduard: Der steinerne Mann in Augsburg, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Bd. 54, Augsburg 1954
Stadtarchiv: Steinerner Mann, Akte 360/0308
Stadtarchiv: Chronik bis 1799 (Chronik 38), S. 68
Weitere News
Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner  Bild von Annett Klingner 
top